L-Carnitin
L-Carnitin ist eine aminosäureähnliche Substanz, die eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel spielt. Schauplatz jeder Fettverbrennung im menschlichen Körper sind die so genannten Mitochondrien. Heute weiß man, dass die Geschwindigkeit mit der das “Fett als Brennstoff” in die Mitochondrien der Zelle gelangt, durch die Menge des L-Carnitins im Muskel bestimmt wird.
L-Carnitin wird speziell auch Vegetariern empfohlen, da die Aufnahme nur über tierische Produkte möglich ist. L-Carnitin ist eine essentielle Substanz, die der Körper auch selbst synthetisieren kann, da es zwingend für die Energiebereitstellung des Herzens benötigt wird. Dazu ist der menschliche Körper in der Lage Muskelprotein abzubauen und L-Carnitin daraus zu erhalten.
Das L-Carnitin ist eine körpereigene Substanz, die aus den Aminosäuren Me¬thionin und Lysin in Leber, Hoden und Nieren gebildet wird. Der Organismus hat eine L-Carnitinreserve von 20-25 g, die durch die tägliche Aufnahme hauptsächlich von Fleisch (Hammel, Rind) ergänzt wird.
Die Muskulatur ist der größte Carnitinspeicher, etwa 98% von insgesamt 20 g Carnitin sind in ihr gespeichert. Die Muskulatur kann kein Carnitin bilden. Der Organismus synthetisiert nur 25% seines L-Carnitinbedarfs selbst, der größte Teil des Carnitins muss über die Ernährung zugeführt werden. Das betrifft durchschnittlich 300-500 mg pro Tag. Hauptquelle für das Carnitin ist das Fleisch. Schaf- und Rindfleisch sind die ergiebigsten carnitinhaltigen Nahrungs¬mittel, die aber in Mengen von 250 bis 400 g/Tag verzehrt werden müssten, um den Bedarf zu decken.
Das L-Carnitin ist eine für den Energiestoffwechsel notwendige Substanz und wird vordergründig für den Transport der langkettigen Fettsäuren durch die inne¬re Mitochondrienmembran benötigt. Die Plasmakonzentrationen des L-Carnitins schwanken von 40 bis 80 µmol/l. Jeder Mensch kann bei einer fleischarmen Ernährung in eine L-Carnitin¬unterversorgung geraten.
Die hauptsächlichen Ursachen für einen relativen L-Carnitinmangel sind fol¬gende:
- Erhöhter Energieumsatz. verbunden mit einseitiger Ernährung
- Unterversorgung mit Proteinen, Vitamin B6, Vitamin C und Eisen
- Betonte vegetarische Ernährungsweise mit Defizit in der Fleischaufnahme
- Gesteigerte renale Ausscheidung nach Belastungen, die die muskulären Depots vermindern
- Verminderung der muskulären Reserven durch unzureichende Regeneration bei ununterbrochenem Training oder Wettkampfserien (Lauftraining, Radrundfahr¬ten)
Für die Carnitinsynthese sind sechs Faktoren notwendig: Lysin, Methion, Niacin, VitaminB6, VitaminC und Eisen (LEIBOVITZ, 1993).
Die endogene L-Carnitin-Bildung ist beim Sportler erschwert, wenn die Versorgung mit Vitamin B6, Vitamin C und Eisen längere Zeit unzureichend ist. Ernährungsanalysen belegen, dass etwa 20% der Langzeitausdauersportler bei Vitamin B6 eine Unterversorgung aufweisen (ROKITZKI et al., 1994). Die me¬chanische Hämolyse der Erythrozyten führt bei 5-10% der Langstreckenläufer zu
einem Eisendefizit, ihr Ferritin liegt unter 20 µg/l. Die Eisenunterversorgung bei Ausdauersportlern wird durch den zusätzlichen Verlust über den Schweiß, der 140-725 µg/l Eisen enthält, erhöht.
Zahlreiche Leistungssportler bevorzugen eine vegetarische Ernährung und ha¬ben neben der niedrigen exogenen L-Carnitinaufnahme häufig ein Eisendefizit und sind mit Lysin unterversorgt. Durch sportmedizinische Beratung haben eini¬ge Leistungssportler wieder den Umstieg auf normale Mischkost geschafft oder haben durch gezielte L-Carnitin-Supplementation ihre Leistungsfähigkeit deut¬lich stabilisiert (FOHRENBACH et al. 1993). Längere Zeit fehlte der direkte Nachweis einer muskulären Unterversorgung der Leistungssportler mit L-Carnit¬in. Muskelbioptische Vergleichsuntersuchungen bei Sportlern, die mit Placebo- und L-Carnitin versorgt wurden, belegten die theoretischen Vermutungen über die Nützlichkeit der Auffüllung der muskulären Speicher mit L-Carnitin (AREN¬AS et al. 1991). Das Langzeitausdauertraining von Läufern führte im Vergleich zu Sprintern zu einer höheren muskulären L-Carnitin-Abnahme. Bei den placebo-behandelten Läufern kam es zu einer signifikant höheren Gesamtcarnitinaus¬scheidung im Urin, hauptsächlich der Acetylcarnitinfraktion, im Vergleich zur mit 1g L-Carnitin supplementierten Vergleichsgruppe (ARENAS et al. 1991). Bei ausreichender Verfügbarkeit von L-Carnitin stimuliert dieses gleichzeitig den aeroben und anaeroben Energiestoffwechsel, weil durch die Reaktion mit Acetyl¬-Coenzym A vermehrt freies Coenzym A freigesetzt wird. Die Ankurbelung des Energiedurchsatzes macht das L-Carnitin für den Leistungssport interessant (NEWSHOLME, 1983; MARCONI et al. 1985; DRAGAN et al. 1987; FÖH¬RENBACH et al. 1993 u.a.). Dennoch ist bei zusätzlicher Einnahme von L-Car¬nitin kein direkt leistungssteigernder Effekt zu erreichen.
Von den biochemischen Möglichkeiten der Beeinflussung der muskulären Leis¬tungsfähigkeit durch die L-Carnitinaufnahme wurden vier Wirkebenen als nütz¬lich angesehen:
1. Steigerung der mitochondrialen Fettoxidation
2. Erhöhung der Pyruvatoxidationsrate
3. Zunahme der Glycolyse und des alactaziden Stoffwechsels sowie
4. Stabilisierung des lmmunsystems und der Zellmembranen.
In zahlreichen Studien wurde versucht, die Eigenschaft der L-Carnitin-Supplementation auf die Leistungsfähigkeit zu belegen. Die Ergebnisse waren sehr wider¬sprüchlich.
Bei der zusätzlichen Einnahme von L-Carnitin in Dosen von 1 bis 3 g/Tag über ein bis zwei Wochen sind folgende Eigenschaften zu erwarten:
- Erhöhung des Umsatzes der langkettigen freien Fettsäuren
- Zunahme des aeroben und anaeroben Kohlenhydratstoffwechsels
- Erhöhung der Stabilität der Zellmembran und damit des immunologischen Ab¬wehrpotenzials
- Förderung der Regeneration nach extremen Muskelbelastungen sowie Vermin¬derung des L-Carnitindefizits bei vegetarisch orientierten Sportlern.
Das L-Carnitin ist ungiftig, macht nicht abhängig und ist keine Dopingsubstanz.
Bei stark belasteten Sportlern ist die zusätzliche L-Carnitin-Aufnahme bereits üblich und wird als nützlich empfunden. Auch kleine Dosierungen, von 0,3 bis 1 g, sind bei hohen Belastungen, auch im Rahmen des Fitnesssports und vor allem bei älteren Sportlern nützlich. Eine Drosselung der körpereigenen L-Carnitin-Bildung bei erhöhter L-Carnitin-Aufnahme ist nicht bekannt. Sicherheitshalber sollten aber Einnahmepausen eingehalten werden.
L-Carnitingehalt in Lebensmitteln (nach Mitchel, 1978)
| mg/100g | ||
| Fleisch | Schaf
Lamm Rind Schwein Kaninchen Huhn |
210,0 80,0 60,0 30,0 20,0 7,5 |
| Sonstige Lebensmittel | Hefe
Milch Ei |
2,4 2,0 0,8 |
| Getreideprodukte | Brot
Weizenkeime |
0,2 1,0 |
| Gemüse | Kartoffeln
Kohl Spinat |
0 0 0 |
Indikationen für L-Carnitinaufnahme im Sport*)
- Förderung des Fettumsatzes
- Erhöhung des aeroben Energiestoffwechsels
- Verminderung der Lactatanhäufung
- Schonung der Glycogenspeicher und geringerer Proteinabbau
- Verkürzung der Regenerationszeit
- Abbau von “Fettpolstern” und erhöhten Blutfettwerten, z.B. von “Neutralfetten” (Triglyceriden) und Lipoproteinen niedriger Dichte
- Stabilisierung von Zellmembranen
- Anhebung der immunologischen Abwehr
- Verbesserung der Muskeldurchblutung
- Schutz vor Übertraining
*) Zweckmäßig 1-2g/Tag über mehrere Wochen




