L-Carnitin als Mittel gegen die Demenz?

L-Carnitin ist seit Jahren integraler Bestandteil einer knallbunten Mischung verschiedenster Supplemente – entweder als reines Konzentrat in Kapseln oder als Fertiggetränk, als Inhaltsstoff sogenannter „Burner“, Pre-Workout-Supplemente oder auch als Zusatz für gewöhnliche Proteinkonzentrate.

Während L-Carnitin in der Nahrungsergänzungsmittelbranche bereits ein wahrer Metusalem ist, beschäftigt sich auch die nüchterne Schulmedizin immer häufiger mit weiteren gesundheitsfördernden Effekten dieser Substanz. Neben günstigen Einflüssen auf unser Herzkreislauf-System und die therapeutischen Einsatzmöglichkeiten bei Leberschädigungen, gewinnt L-Carnitin seit Jahren an Bedeutung zur Behandlung von kognitiven Erkrankungen.

So ist bekannt, dass eine Supplementation mit L-Carnitin bei Narkolepsie und bei Durchblutungsstörungen im zentralen Nervensystem positive Effekte auf unser Schmerzempfinden, auf Angstzustände und depressive Stimmungen haben kann [1, 2].

L-Carnitin kann jedoch weitaus mehr: Es ist antioxidativ wirksam, indem es die körpereigene Produktion von antioxidativen Enzymen wie Superoxid-Dismutase, Katalase und Glutathion-Peroxidase fördert. Dies fanden chinesische Wissenschaftler im Jahre 2011 heraus. In Ihrer Studie verabreichten Sie 12 gesunden Personen eine einzige orale Dosis an L-Carnitin von 2 g. In den anschließenden 3,5 Stunden nahmen die Blutspiegel der genannten Enzyme signifikant zu, ehe sie nach etwa 24 Stunden wieder ihren Ausgangswert erreichten [3].

Nicht nur gesunde Menschen und Sportler können so von L-Carnitin profitieren, sondern auch Personen, die an bestimmten neurologischen Schäden erkrankt sind. Für die Ausbildung bestimmter Demenz-Erkrankungen wird aktuell oxidativer Stress in unseren Hirnzellen als wichtiger Faktor diskutiert. Die hierbei anfallenden „radikalen Sauerstoffspezies“ schädigen Zellgewebe und u.U. auch das enthaltene Erbgut. Funktionseinbußen oder gar die Bildung von Krebszellen bis hin zu Tumoren können die Folge sein. Das Gehirn ist gegenüber oxidativem Stress im besonderen Maße ausgesetzt: 20% unseres eingeatmeten Sauerstoffs werden hier verbraucht, und die antioxidativen Kapazitäten sind im Vergleich zu anderen Geweben deutlich geringer.

Wie Ribas et al. [4] feststellen, könnte L-Carnitin einen präventiven Effekt auf neurodegenerative Erkrankungen haben, da es im Gegensatz zu vielen anderen Substanzen die Blut-Hirn-Schranke passieren und somit direkt die antioxidativen Kapazitäten in unserem Gehirn verbessern kann.

[1] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23349733
[2] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23739503
[3] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21701126
[4] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24148561