Asparaginsäure – der Testobooster aus der Dose

Testobooster sind so alt wie das Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln selbst – nicht zu Unrecht! Testosteron ist ein wahres Leistungshormon, das vielfältige Auswirkungen auf unseren Körper hat. Dazu gehören neben den positiven Effekten auf das Muskelwachstum und die Fettverbrennung u.a. auch günstige Auswirkungen auf unseren Gemütszustand (nicht umsonst gilt Testosteron als eine Art Antidepressivum) und Regenerationsprozesse in unserem Körper. Hohe natürliche Testosteronspiegel gelten daher insbesondere bei Leistungssportlern im Kraft- und Ausdauerbereich als vorteilhaft. Wenn die eigenen Hormonspiegel nicht ausreichen, um die gewünschten Effekte zu erzielen, wird schnell mit exogenem Testosteron aus der Kanüle nachgeholfen. Falls die erhoffte Wirkung eintritt, ist auch stets immer mit einem hohen Risiko an teils gefährlichen Nebenwirkungen zu rechnen.

Um dieses Manko zu umgehen, wird auch heute noch nach „natürlichen“ Mitteln gesucht, die unseren Testosteronspiegel im physiologischen Rahmen auf die Sprünge helfen sollen. Neben den üblichen Nahrungsergänzungsmitteln, die vorrangig Extrakte der Pflanze Tribulus terrestris enthalten, hat eine einzelne Aminosäure namens Asparaginsäure in den letzten Jahren für großes Aufsehen gesorgt.

Asparaginsäure ist nicht gleich Asparaginsäure

Die Asparaginsäure kommt natürlicherweise in zwei verschiedenen Formen vor – einmal als L-Asparaginsäure und einmal als dazu gehöriges Spiegelisomer D-Asparaginsäure. Die Unterschiede in der Konformität der beiden Varianten sind minimal, aber die Wirkung im Körper könnte kaum unterschiedlicher sein. Wir reden heute von der D-Asparaginsäure, die als einzige die folgend erläuterten Effekte auf den Testosteronspiegel hat. Falls Ihr einen Testobooster haben solltet, der L-Asparaginsäure enthält, könnt Ihr das Ding getrost in die Tonne werfen.

Die D-Asparaginsäure kommt im tierischen Organismus im zentralen Nervensystem vor, wo es vermutlich eine tragende Rolle bei der vollständigen Entwicklung unseres Hirns spielt. Ferner haben bisher Tierexperimente darauf hingewiesen, dass D-Asparaginsäure bei Ratten eine wichtige Rolle bei der Synthese von Sexualhormonen einnimmt. Da D-Asparaginsäure auch beim Menschen einen modulierenden Stimulus in den Reproduktionsorganen ausübt, lag seit Jahren die Vermutung nahe, dass diese Aminosäure bei der Bildung von Testosteron eine nicht unerhebliche Rolle spielen könnte

42%iger Anstieg des Testosterons in Humanstudie

Im Oktober 2009 veröffentlichten Topo et al. (2009) eine Studie, die sich genau dieser Vermutung annahm und die Auswirkungen einer kurzfristigen Supplementation mit D-Asparaginsäure u.a. auf den Testosteronspiegel bei jungen Männern untersuchte. Insgesamt nahmen 43 Männer zwischen 27 und 37 Jahren an der Studie teil, die sich über einen Zeitraum von 12 Tagen erstreckte.

Wie jede Placebo-kontrollierte Studie wurden die Herrschaften in zwei Gruppen eingeteilt. Die Gruppe (23 Personen), dem das Verum verabreicht wurde, nahm jeden Morgen für 12 Tage eine Lösung mit ca. 3 g D-Asparaginsäure zu sich, während die Placebo-Gruppe (20 Personen) 3 g wirkungsloses Natriumchlorid zu sich nahm. Um die Testosteronwerte zu bestimmen, wurden sowohl kurz vor dem Versuch als auch 6, 12 und 15 Tage nach Beginn des Experiments Blutproben entnommen.

Im Durchschnitt verzeichneten 20 der 23 Teilnehmer der Gruppe, die D-Asparaginsäure einnahmen, einen Anstieg des Testosterons im Blut von 42%. Die Personen, die mit dem Placebo gefüttert wurden, zeigten keine Änderung im Testosteronspiegel.

Interessant war, dass der Anstieg des Testosterons im Blut nach 12 Tagen fast dreimal so hoch war wie nach 6 Tagen. Schade, dass der Versuch nur so kurzfristig geplant war – interessant wäre gewesen, inwieweit sich der Testospiegel während einer dauerhaften Einnahme von mehreren Monaten verhalten hätte. Selbst 3 Tage nach Ende des Experiments waren die Testosteronwerte immer noch leicht erhöht.

Asparaginsäure für dicke Muskeln?

Bisher ist die eben geschilderte Untersuchung einzigartig. Die Ergebnisse sind allerdings recht eindeutig und nicht einfach von der Hand zu weisen. Die Frage, die sich natürlich stellt, ist, ob ein weiterer Anstieg des Testosterons bei längerfristiger Einnahme und bei Aufnahme eines Krafttrainings auch zu einem erhöhten Muskelzuwachs geführt hätte. Aufgrund des steilen Anstiegs der Testo-Werte innerhalb des kurzen Zeitraums lässt sich die erste Frage wohl mit einem sehr wahrscheinlichen „Ja“ beantworten, wenn auch völlig unklar ist, wie groß die Steigung ausgefallen wäre.
Wir wissen heute, dass der Zuwachs an Muskelmasse linear mit der Höhe der Testosteronspiegel im Blut verknüpft ist, auch wenn die Steigung der Kurve hier sehr flach ausfällt. Was heißt das konkret? Ganz einfach: Eine Steigerung des Testosteronspiegels von 42% heißt nicht automatisch, dass auch die Muskelmasse um 42% zunimmt. Dennoch könnte ein nachweisbarer Effekt zu verzeichnen sein.

Auch steht zur Debatte, ob eine Dosis-Wirkungs-Beziehung vorliegt. Wären die Testosteronspiegel im gleichen Zeitraum noch weiter angestiegen, wenn statt der 3 g D-Asparaginsäure 6 g verwendet worden wäre? Man weiß es nicht, die Antwort überlassen wir an dieser Stelle einfach mal dem gesunden Menschenverstand und einer Brise Phantasie!

Laut den Studienergebnissen könnte die Anwendung von D-Asparaginsäure insbesondere für Männer über 40 womöglich ein brauchbares und nebenwirkungsfreies Mittel zu sein, um dem stetigen Abfall des natürlichen Testosteronspiegels entgegenzuwirken. Auch wenn dies natürlich nicht Gegenstand der Untersuchung war, ist prinzipiell davon auszugehen, dass das Alter bei der Wirkung von D-Asparaginsäure beim erwachsenen Mann eine eher untergeordnete Rolle spielt.