Zyzz – get shredded or die mirin‘

Wer ist dieser Zyzz?

Zyzz in Höchstform

Zyzz in Höchstform

„Zyzz is a fuckin‘ spirit that took over who I am – I’m Az!“. Aziz hätte die Frage, die sich in Internetkreisenseit Jahren mit zunehmender Häufigkeit immer mehr Hobby-Bodybuilder früher oder später stellen – Wer zur Hölle ist dieser Zyzz? -, kaum knapper und treffender beantworten können. Zyzz ist eines dieser typischen Internetphänomene, die alle paar Jahre in Szenekreisen die Runde machen und auf unterschiedliche Weise für Furore sorgen. Hier handelt es sich allerdings nicht um eine neuartige Diät oder ein neues Trainingssystem, sondern um einen jungen Mann, der auf keiner Bodybuilding-Bühne je einen Pokal gewann, aber unzählige Menschen dazu motivierte, das Eisen zu heben und etwas mehr Spaß im Leben zu haben. Anlässlich der ersten Jährung seines Todestages wollen wir das Leben des jungen Australiers kurz Revue passieren lassen und seinen Personenkult durchleuchten.

Aziz Shavershian (wetten, dass er sich früher oder später sowieso offiziell in sein Alter-Ego umbenannt hätte?), wurde am 24. März 1989 hinter dem Eisernen Vorhang in Moskau geboren. Der Sohn einer Russin und eines gebürtigen Kurden wanderte kurz nach dem Zusammenbruch des Sozialismus mit seiner Familie ins sonnige Australien aus und führte dort wie so viele Jungs der Internetgeneration in soziales Schattendasein. Nach eigenen Aussagen war seine Kindheit nicht unglücklich – seine Eltern waren gut situiert, er war im Fußball aktiv und die Leistungen in der Schule stimmten auch.

Zyzz in jüngeren Jahren

Zyzz in jüngeren Jahren

Aziz war der typische Spätzünder – die Schule beendete er ohne jemals ein Mädchen gedatet zu haben (das typische Leben der meisten künftigen Vollblutpumper eben). Seine erste große Liebe war sein World of Warcraft-Charakter (na, wer erkennt sich wieder?), und seine erste echte Freundin war dann am Ende doch mehr an den Jungs mit den dicken Armen interessiert. Das Leben als junger Mann ist hart, wenn selbst Germany’s Next Bullshit im optischen Vergleich zum eigenen Spiegelbild wie Ronnie Coleman wirkt. Auf die Idee, den notwendigen Schritt zu gehen und sich zwecks der körperlichen Ertüchtigung in einem Fitnessstudio anzumelden, kam Aziz nicht selbst. Sein älterer Bruder Said, der später unter dem Pseudonym Chestbrah bekannt wurde, war ihm in dieser Hinsicht einen Schritt voraus. Chestbrah, der sich optisch von seinem Bruder höchstens in der Wahl seines Haargels unterschied, machte nach einem Jahr relativ intensiven Trainings bereits ansehnliche Fortschritte. Zyzz war beeindruckt! Wenn hartes regelmäßiges Training und eine disziplinierte Diät der Weg sind, um das Interesse von schönen Frauen zu erwecken, dann würde er diesen Weg gehen müssen.

Zyzz’s Transformation

Zyzz ca. 2 Jahre nach Trainingsbeginn

Zyzz ca. 2 Jahre nach Trainingsbeginn

Wenn man einen ausgetrockneten Schwamm in einen Eimer voller Wasser wirft und ihn mit Gewalt untertaucht, wird sich schlagartig sein Volumen vergrößern. Ein ausgezehrter menschlicher Körper funktioniert nach demselben Prinzip. Je weiter man in der Ausgangssituation von seinem genetischen Limit des Muskelaufbaus entfernt ist, desto radikaler und gravierender sind die physischen Veränderungen. Aziz startete bei einer Körpergröße von über 180cm und einem Gewicht von ca. 60kg. Obwohl er stets betonte, anfangs die typischen Anfängerfehler gemacht zu haben, waren die Zuwächse an seinem Körper frapierend. Stets bemüht, eine akzeptable Form und einen niedrigen Körperfettanteil zu bewahren, packte Aziz Pfund für Pfund Fleisch auf seine dünnen Rippen. Sein schmale und lange Körperstatur sowie sein schneller Stoffwechsel halfen ihm dabei, einen ästhetischen und fettfreien Look zu bewahren, den er später zu seinem Markenzeichen machte.

Mit den Muskeln wuchs auch sein Charisma – und sein Ego. Die Grenzen in unserem Sport zwischen einem gesunden Selbstbewusstsein und purem Narzismus sind fließend. Wie junge Frauen im Teenageralter beginnen, das andere Geschlecht mit optischen Reizen um den FInger zu wickeln, präsentierte sich Aziz auf Elektro- und Trance-Festival häufig mit freiem Oberkörper, immer mit seiner Handykamera bewaffnet, um die Blicke aus seiner Umwelt festzuhalten und auf Videoplattformen wie youtube hochzuladen. Dort und in vielen Internetforen der Bodybuilding-Szene benutzte er den Namen „Zyzz“ – eine phonologische Abwandlung des griechischen Götternamen „Zeus“. Das sollte er sein – der Sohn von Zeus höchstpersönlich, Bruder von Herkules und der geistige Vater eines wiederkehrenden Schönheitsideals des Bodybuildings, die er unter „Aesthetics“ zusammenfasste. Nicht der Aufbau von schierer Masse steht hier im Vordergrund, sondern der Zuwachs von fettfreier Qualitätsmuskulatur in schönen Proportionen.

Seine Popularität wuchs enorm an und führte zu einer Spaltung der BB-Internetgemeinde – die einen bewunderten ihn für seine Transformation und schätzten seinen Sinn für Selbstironie und Humor, die anderen wiederum sahen in ihm einen selbstverliebten Jungspunt, der nur mit knappen Sprintershorts bekleidet sich in der Öffentlichkeit zum Affen machte und Leute belästigte. Eines stand allerdings schon früh fest: der kleine schüchterne Junge von damals hatte sich innerhalb von 2 Jahren zu einem topdefinierten Schönling mit eindrucksvollem Körper entwickelt. Wo damals lauthals über ihn gelacht wurde, standen die Menschen nur noch mit offenen Mündern da. Bilder von jungen Frauen, die er nun spielend leicht um den Finger wickelte, sammelte er wie Nerds ihre Briefmarken. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er zu einem späteren Zeitpunkt, dass der schönste Moment seines Lebens der war, als er nach 2 Jahren seine Ex-Freundin (wohl gemerkt diejenige, die ihn wegen seiner dünnen Statur belächelte und offen einen Faible für muskulöse Arme hatte) wiedersah und sie kein Wort mehr herausbrauchte.

Warum sind diese Details so interessant? Weil sie schlicht und ergreifend seine Popularität erklären. Die meisten jungen Männer beginnen mit dem Training aufgrund sexueller Frustration in Ermangelung von Attraktivtät auf das weibliche Geschlecht. Sie unterziehen sich stundenlangem Training und harten Diäten für mehr gesellschaftliche Anerkennung, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Zyzz schien dieser Kniff geglückt zu sein – er genoss das typisches James Bond-Phänomen: Männer wollten so sein wie er, während Frauen an seiner Seite gesehen werden wollten. Unglaublich, aber wahr: er wurde sogar für sein Erscheinen auf Partys und Geburtstagen am anderen Ende des Kontinents von wildfremden Menschen bezahlt, die wenigstens einen Abend in seinem Beisein Spaß haben wollten.

Die Aesthetic Crew: Zyzz, Babolimp, Supaturk, Turtle und Chestbrah

Die Aesthetic Crew: Zyzz, Babolimp, Supaturk, Turtle und Chestbrah

Zyzz kurz vor seinem Tod

Zyzz kurz vor seinem Tod

Zyzz scharte im Laufe der Zeit ein halbes Dutzend Jungs um sich, die denselben Lifestyle frönten und von nun an gemeinsam um die Häuser zogen – ebenfalls allesamt in kurzen Shorts bekleidet, mit ausgefallenen Namen wie „Turtle“, „Supaturk“ oder „Chestbrah“ – letzterer war Zyzz’s Bruder Said, der ebenso wie sein Bruder einen tieferen Sinn in der ganzen Sache sah. Diese „Crew“ führte von nun an einen ungewöhnlichen Lebensstil, bestehend auf 5 wöchentlichen Workouts, einer strengen Diät und allabendlichen Festivals und Partydrogen. Die Zähne wurden gebleicht oder gleich ganz durch Veneers ergänzt, die Haut wurde parfümiert, geschminkt und pausenlos gebräunt.
Zyzz’s Popularität wuchs so stark an, dass er sich in Sydney’s Clubs nur unter permanentem Blitzlichtgewitter fortbewegen konnte. Alle 5 Meter wurde er um ein gemeinsames Foto gebeten, von Leuten angesprochen, umarmt oder sogar angegriffen (Zyzz’s Bruder Chestbrah erklärte in einem späteren Interview, dass er und sein Bruder sich nur noch mit Messern bewaffnet auf Festivals wagten). Er durchlebte alle Vorzüge und Kehrseiten eines Hollywood-Stars, allerdings stets mit einem ansteckenden Lächeln oder notfalls gleichgültiger Gelassenheit. Wozu musste er sich denn noch rechtfertigen? Er hatte einen beispiellosen Körper aufgebaut, umgab sich mit Gleichgesinnten, hatte nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 300 Frauen umgehauen und konnte mit der Marke „Zyzz“ sogar Geld verdienen.
Unter seinem Pseudonym wurde er regelmäßig für Gastauftritte in Clubs gebucht, arbeitete als Stripper bei den „Hot Shots“ und rief sogar am Ende seine eigene Supplement-Linie namens „Protein of the Gods“ ins Leben. Er schrieb ein Online-Buch namens „Zyzz’s Bodybuilding Bible“, in dem er auf 90 Seiten sein Wissen aus 5 Jahren Trainingserfahrung zusammenfasste und veröffentlichte eine eigene Kleidermarke. Insgesamt verfolgten 60.000 Fans aus aller Welt auf seiner Facebook-Seite seinen Werdegang, ließen sich selbst zum Training motivieren und inspirieren. Auch wenn die meisten Menschen alleine aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht exakt denselben Lebensstil verfolgen konnten, betonte Zyzz in seinen Videos und auf seiner Facebook-Seite immer wieder, wie wichtig es sei, sich von sozialen Zwängen freizumachen, das zu tun, was einem Spaß bringt und vor allem eine Passion zu finden, der man sich in seinem Leben verschreibt. Bodybuilding war für Aziz nicht mehr in erster Linie ein Mittel, um Frauen und Männer zu beeindrucken, sondern eine Lebenseinstellung, die er ohne Kompromisse Tag für Tag umsetzte. Alkohol war tabu, lediglich Wasser und Tee waren gestattet, Känguru-Fleisch wurde kiloweise hinunter gewürgt, und um 2 Uhr morgens klingelte zum ersten Mal der Wecker für den nächtlichen Proteinshake.

Das Leben schien perfekt, Zyzz hatte sich auf ganzer Linie von einer Niete zu einem optischen Halbgott entwickelt und wusste, wie er gezielt Social Medias einsetzen musste, um sich selbst zu vermarkten und Geld zu verdienen. Für die Arnold Schwarzenegger Classics 2012 waren bereits Promotionsstände mit seiner Supplement-Firma geplant, Interviews wurden geführt und auf den wichtigsten internationalen Szene-Seiten veröffentlicht, sowohl das Interesse an seiner Person als auch an seinem Training und seiner Ernährung waren enorm. Seine Zukunft würde groß sein, er war der Begründer einer neuen Generation junger Bodybuilder aus der Internet-Szene, die ihren Körper nach einem griechischen Götterideal formen und gleichzeitig die Brücke zwischen dem von Verzicht und Disziplin bestimmten Leben eines Bodybuilders und dem hedonistischen Lifestyle eines Partykönigs schlagen.

Zyzz’s Tod

Zyzz klagte Anfang des Sommers 2011 über erhöhten Blutdruck, Müdigkeit und Kurzatmigkeit. Niemand schien diese Symptome wirklich ernstzunehmen, obwohl Zyzz einer Familie entstammte, in der Herz-Kreislauf-Probleme relativ häufig vorkamen. Womöglich handelte es sich lediglich um kleine Begleiterscheinungen des exzessiven Lebensstils, den Aziz und seine Jungs die letzten 5 Jahre verfolgten. Währenddessen machte Chestbrah, Zyzz’s Bruder, durch negative Schlagzeilen auf sich aufmerksam: Bei einer Verkehrskontolle wurden in seinem Auto verschreibungspflichte Medikamente, Steroide und Anabolika gefunden. Wer sich immer fragte, wie es möglich sei, das ganze Jahr über einen Körperfettanteil von 6% zu halten und gleichzeitig das Körpergewicht in wenigen Jahren um 30-40kg zu erhöhen, mag hier vielleicht einen direkten Hinweis finden. Wirklich offiziell bestätigten Zyzz und Chestbrah niemals den Konsum von Medikamenten, allerdings tauchten in früheren Zeiten Bilder auf, in denen Zyzz sich eine Injektion in eine Pobacke verpassen ließ. Auch in privaten Kreisen, vor allem unter den Strippen der Hot Shots, war bekannt, dass Zyzz regelmäßig in Zyklen Steroide verwendete. Gegen Ende dementierte Zyzz vehement die Vorwürfe, jemals zur Spritze oder Tablette gegriffen zu haben. Ungeachtet der etwas brisanten privaten Situation flog Zyzz im Juli 2011 in den Urlaub nach Bangkok, Thailand. In der Zeit updatete er regelmäßig seine Network-Seiten und kümmerte sich weiterhin um die Promotion seiner Kleidungs- und Supplement-Linien.
Am 5. August, kurz vor Antritt der Heimreise, besuchte Zyzz einen Massage-Club in Bangkok. Die ursprünglichen Aussagen darüber, wo sich Zyzz aufhielt und was genau an diesem Tag geschah, waren sehr widersprüchlich und sind es teilweise immer noch. Klar ist jedoch, dass Zyzz nach der Behandlung wieder über Müdigkeit klagte und auf einer Liege Platz nahm, um sich auszuruhen. Anschließend erlitt er einen Herzstillstand. Wie viel Zeit verging, bis die Angestellten bemerkten, dass Zyzz nicht schlief, sondern de facto bereits tot war, ist unklar, jedenfalls scheiterten alle Wiederbelebungsversuche. Die anschließende Obduktion ergab, dass Zyzz einen angeborenen, nicht diagnostizierten Herzfehler hatte, der am Ende für sein Dahinscheiden verantwortlich war.
Bereits wenige Stunden später machten im Internet erste Meldungen über den Tod des Szene-Stars über Facebook, youtube und die gängigen Foren die Runde. Zuerst hielt man diese Gerüchte für einen Scherz von Zyzz persönlich, der Zeit seines Lebens für diese Art Humor und seine Pranks bekannt war. Im Laufe der folgenden Tage bestätigte sich durch Beileidsbekundungen und Nachrufen von direkten Freunden allerdings das, was sich zu diesem Zeitpunkt kaum einer vorstellen konnte. Zyzz war tot, hinterließ eine trauernde Familie und weltweit tausende Fans.

Zyzz – die Legende

Seit Zyzz’s Todestag ist seine Popularität bis heute um das 8fache gestiegen. Sein Name wurde vor wenigen Monaten in Australien so oft gegoogelt wie der des australischen Premierministers. Tribute-Videos von Fans sprießen immer noch wie Pilze aus dem Boden, millionenfach angesehen und mit unzähligen Beleidsbekundungen und bewundernden Worten kommentiert. Zahlreiche Menschen auf der Welt geben Zyzz’s Einfluss als Hauptgrund an, weshalb sie überhaupt das erste Mal ein Fitnessstudio aufgesucht haben. Lieder, die Zyzz als Musikuntermalung für seine Videos verwendete, wurden seither aus dem Netz gesaugt wie…naja, ihr wisst schon wie! Das Inspirationspotential des jungen Australiers hat auch ein Jahr nach seinem Tod nichts an Größe verloren, ganz im Gegenteil – der Name „Zyzz“ ist in aller Munde wie nie zuvor. Chestbrah kümmert sich derweil weiterhin um die Geschäfte und trägt den Namen seines verstorbenen Bruders weiter. Spekulationen um die tatsächlichen Ursachen für Zyzz’s Tod gibt es wie Sand am Meer. Said ist davon überzeugt, dass der Tod seines Bruders keine natürliche Ursache hatte und geht von einer Vergiftung zwecks Raub aus. Der gesunde Menschenverstand wird einem allerdings sagen, dass Zyzz nicht nur durch den angeborenen Herzfehler starb, sondern auch der sehr wahrscheinliche Medikamentenmissbrauch eine Rolle gespielt haben wird. Über die verwendeten Substanzen gibt es nur Spekulationen, und bekanntlich sagt man über die Toten nur Gutes, dennoch ist es insbesondere bei dem Personenkult um Zyzz und seinen Einfluss auf die junge Bodybuilder-Generation wichtig zu erwähnen, dass der Erhalt einer solchen Form unter Berücksichtigung der schnellen Fortschritte im Muskelaufbau höchstwahrscheinlich nur mit potenziell gesundheitsschädlichen Stoffen zu erreichen ist.

Zyzz – Die Trainings- und Ernährungsbasics

Zyzz verfolgte einen sehr volumenlastigen Trainingsansatz mit insgesamt 5 Workouts pro Woche. Nach den ersten vier Trainingseinheiten wurde am letzten Tag der gesamte Körper nochmal gezielt mit den typischen Grundübungen in die Mangel genommen.
Die folgende Aufteilung gab Zyzz in einem Interview mit simplyshredded.com als Beispielroutine an:

Montag: Brust/Bizeps
Dienstag: Beine/Waden
Mittwoch: Rücken
Donnerstag: Schulter/Trizeps
Samstag: Ganzkörper-Workout

Jede Muskelgruppe wurde mit etwa 10-20 Sätzen bearbeitet – vorwiegend in einem Wiederholungsbereich von 8-10. Auf Kadenzen legte Zyzz nicht unbedingt mehr Wert als die meisten anderen Trainierenden in den herkömmlichen Fitnessstudios, achtete allerdings stets auf eine langsamere und kontrollierte Ausführung. Trainiert wurde prinzipiell bis zum Muskelversagen mit einer anschließenden langsamen negativen Phase, um dem Muskel die letzten Kraftreserven zu entlocken.
Die favorisierten Übungen waren Seitheben für die medialen Schulterköpfe, Kniebeugen und Deadlifts, die er stets als eine der wichtigsten Übungen für seine Körpertransfomation anführte.

Zyzz’s Diät war im Gegensatz zu seinem Training schon etwas spezieller. Trotz seiner guten Linie verfolgte er Massediäten mit sehr starkem Kalorienüberschuss jenseits der 1000kcal/Tag und einem Nährstoffverhältnis von ca. 40% Eiweiß, 40% Kohlenhydrate und 20% Fett. Schnelle Gewichtszunahmen standen über mehrere Wochen hinweg im Vordergrund, gefolgt von ca. 3 Wochen Radikaldiät auf ketogener Basis (minimaler Kohlenhydratanteil bei gleichzeitigem hohen Fett- und Eiweißverzehr). Diese Vorgehensweise half dabei, über Jahre hinweg stetig Muskulatur aufzubauen und den Körperfettanteil auf einem konstant niedrigen Niveau zu halten.

Wie es weiter geht

Eines ist sicher – Zyzz ist ein Phänomen, das sich nicht kopieren lässt. Den ein oder anderen Trittbrettfahrer wird es höchstwahrscheinlich auch in Zukunft noch geben, aber an die Popularität und Beliebtheit des jungen Australiers wird so schnell niemand anknüpfen können. Chestbrah tut derzeit sein Bestes, das Andenken seines Bruders am Leben zu erhalten, indem er vorrangig neue Videos auf youtube (sein Username dort ist „ruskimelb“) mit neuem Bildmaterial von Zyzz oder Fotos auf seine Facebook-Seite hochlädt. Wer also hofft, seltene oder bisher ungesehene Videos und Bilder seines Idols zu sehen, sollte hin und wieder auf Chestbrahs Accounts vorbeischauen.
Falls das Interesse an Zyzz weiterhin fortbesteht und Said die Promotion nicht in den Sand setzt, ist es vielleicht sogar denkbar, dass hierzulande früher oder später das Protein- und Kleiderlabel zu kaufen sind bzw. leichter bezogen werden können. zyzz_pumpedup-e1344264806590
Entscheidend ist allerdings nicht, was wir an Produkten mit einem Zyzz-Etikett kaufen können, sondern was uns Zyzz als geistiges Erbe hinterlassen hat. Nämlich das, was uns jeder erfolgreiche Bodybuilding-Champion einzutrichtern versucht: Der Erfolg, den wir haben, hängt nicht vorranging von unseren genetischen Limits oder unserer Ausgangssituation ab, sondern von dem Willen, den jeder aufbringen kann, um uns jahrelang durch schweißtreibende und erschöpfende Workouts und knallharte Diäten zu kämpfen, bis wir irgendwann am Ziel angekommen sind. Zyzz ist in Augen vieler die Personifikation dieses Willens, der zuerst der Frustration entsprang und am Ende ein positiver Antrieb war, stets nach mehr zu streben und sich weiter zu entwickeln. Wir sehen einen dünnen Jungen, der mit 17 Jahren die Zügel selbst in die Hand nahm und sich in 5 Jahren physisch und psychisch so veränderte wie es Millionen von jungen Männern Jahr für Jahr neu anstreben und spätestens im April versagen und wieder Chips futtern und World of WarCraft zocken. Wenn dieser Junge, kaum mehr als Haut und Knochen, es schafft, unser Ideal in seinem Fleisch und Blut umzusetzen, kann das allen gelingen.
Denke daran, wenn du abends schon im Bett liegst und zu faul bist, deinen Eiweißshake zuzubereiten.
Denke daran, wenn es draußen regnet und du einen Fußmarsch von 30 Minuten zum Fitnessstudio hast.
Denke daran, wenn du mit 120kg ruderst und deine Unterarme ab der 8. Wiederholung brennen wie Feuer und du jeden Augenblick bereit wärest, einfach deine Hände zu öffnen, damit dieser verfluchte Schmerz aufhört.
Denke daran, wenn du dich morgens im Spiegel betrachtest und immer noch die gleiche Lusche zu sehen scheinst, die du mal gewesen bist, und alles hinschmeißen möchtest.